Wanderbericht Rothaarsteig

erstellt von Felix und Wolfgang - Bilder von der Wandergruppe

Freitag, 29. Okt 2004. Heidelberg  Brilon

Riech mal! Probier mal! Schau mal! Hör mal! Fühl mal!"

 

Mit allen Sinnen Natur genießen. Sich auf die Sinnlichkeit des Waldes einlassen und sich öffnen für die Geräusche und Gerüche einer einzigartigen Landschaft – der Rothaarsteig bietet eine neue Dimension des Wanderns.

Bis zu 840 m hoch erstreckt sich die abwechslungsreiche Waldgebirgslandschaft. Die insgesamt 154 km des Rothaarsteiges verbinden den Ort Brilon im Sauerland über das Wittgensteiner Land und das Siegerland mit Dillenburg am Fuße des Westerwaldes.
Diese Werbebotschaft hat uns neugierig gemacht
Das weiße liegende R auf rotem Untergrund weist den  Weg

 

Auf dem Weg nach Brilon-Wald befanden sich die Wanderkoryphäen Harald, Charly, Wolfgang, Dirk, Torsten, Roland und Felix.
Aufregung gab es bei der Abfahrt im Mannheimer Hauptbahnhof.
"Eugen, wo ist Eugen?"
Eugen, unser Senior, war unauffindbar.
Gruppe gratuliert am ersten Tag Thomas zu seiner Tochter Lena Kurz hinter dem Frankfurter Flughafen tauchte er dann aber glücklicherweise in unserem Zugabteil auf. Die Aufregung über die Verspätung war ihm aber auf den Magen geschlagen und die nächsten drei Tage trank er nur noch Kamillentee. Das erste Fell eines erlegten Braunbären bei unserer Wanderung im nächstes Jahr in den Karpaten (Slowakei ) erhält er deshalb als Bettvorleger. Die Robustheit und die „Nehmerqualitäten“ eines Bären sollen dadurch auf ihn  übergehen. Wandermäßig war er wie immer hervorragend: „Er ist fit wie ein Turnschuh“ und läuft noch manchem Jüngeren davon. Im Übernachtungshotel „Haus Hellhohl“ in Brilon erwartete uns dann schon der Wanderkamerad Hanjo, ein „echter Hamburger Jung“.Unser Maskottchen Medved für die Wanderung druch die Karpaten Besonders für die Geselligkeit in der Gruppe ist er unersetzlich. Ich erkannte ihn kaum wieder. Mindestens 25 kg hatte er abgenommen und er verfügte über eine gute Kondition.

Öfters wanderte er sogar im Laufe der Tour an der Spitze. Spontan wurde an einem der nächsten Tage beschlossen, ihm für seine exzellente Kraft und Ausdauer den Ehrentitel „ Medveď “ – slowakisch der Bär – zu erteilen.

Nach dem Abendessen erzählte uns die Wirtin im Hotel etwas über das Sauerland. Der Name habe nichts zu tun mit dem Wort „sauer“, sondern käme aus dem plattdeutschen Sprachgebrauch, wo es „Suerland“ heiße. Der Ausdruck „suer“ bedeute soviel wie schwierig.

Da es im Sauerland 2.711 Berge gebe, werde es auch als Land der tausend Berge bezeichnet. Durch die Region zu wandern, sei also schon anstrengend.

Zu erwähnen seien auch Politikerpersönlichkeiten wie Friedrich Merz, Franz Müntefering oder der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke. Sie stammen alle aus dieser  Ecke des Sauerlandes.

 

Unterkunft:

Samstag, 30. Okt. 2004  Brilon Hoppern, Ortsteil  von Willingen

Gleich hinter Brilon erfolgte diese Aufnahme der KleingruppeAn diesem Tag können nur Glückskinder geboren sein. Dazu zählt auch gutes Wetter. Obwohl die Meteorologen viel Regen angekündigt hatten, blieb es den ganzen Tag über trocken. Bei einer Temperatur von 8° C wanderten wir zuerst zur Möhnequelle.
Die Möhne ist der erste große Nebenfluss der Ruhr, die sie schon nach 67,6 Kilometern bei Neheim aufnimmt. Erinnert sei auch an die Bombardierung der Möhnetalsperre im Zweiten Weltkrieg durch die Engländer, bei der 1.200 Menschen ertranken. Weiter ging es auf gut ausgeschilderten Wegen bergauf und bergab. Die Laubfärbung hatte in den Wäldern eingesetzt. Die bunten Herbstwälder zählen neben den Frühlingsblüten zu den Höhepunkten im Jahreskreislauf der Natur. Gelegentlich sahen wir Kühe und Pferde auf den Wiesen. Auf  Informationstafeln wurde über das Wegenetz, die Geologie und die Loipen im Winter berichtet. Gegen Mittag erreichten wir dann den Borberg, eine alte keltische Ringwallanlage und Fliehburg. Etwa um das Jahr 1000 wurde hier ein Kloster errichtet, heute sind davon nur noch wenige Steinfundamente zu sehen. Unterhalb des Gipfels befindet sich ein großer, rasenbedeckter Platz, der als Kirchhof bekaMittagsrast in der Burgschänke Bruchhausennnt ist. Hier sollen früher an der Pest gestorbene Bewohner der umliegenden Ortschaften begraben liegen.
  
Ungefähr fünf Kilometer weiter aßen wir dann in einem alten Fachwerkbau - in der Gutsschänke Bruchhausen - einem ehemaligen Schloss, zu Mittag. Das Essen wurde zu einem Fest der Sinne. An diesem Tag wurde „alles aus der Kartoffel“ angeboten. Als Spezialität gab es Treberbrot dazu.
Bier kam aus der eigenen Brauerei des Hauses. Es war frisch, aber das Bier in Tschechien schmeckt einigen von uns noch besser.

Weiter ging es zum Richtplatz. Hier befand sich in früheren Jahrhunderten eine Gerichtsstätte. Aufhängen am nächsten Baum Richtplatz oberhalb von Willingenwar damals die übliche Art der Vollstreckung. Hab und Gut des Verurteilten fielen nach seinem Tod dem zuständigen Grundherrn, Adligen oder Vögten zu. Todesurteile waren deshalb häufig. Am Richtplatz befinden sich zahlreiche historische Grenzsteine, die ursprünglich die Grenze zwischen dem kurkölnischen Sauerland und dem Waldecker Land markierten. Noch heute verläuft hier die Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen. Nicht selten ist auch in früheren Zeiten versucht worden, Grenzsteine unbemerkt zu verrücken.

Nach einem kurzen Abstieg erreichten wir den Ortsteil Hoppern von Willingen.

Willingen (3.751 Einwohner) ist ein beliebter Sirenengesänge in Willingen blieben ohne Wirkung auf unsWintersportort mit zahlreichen Hotels und Skiliften. Vom Berg uns gegenüber grüßte der „Sauerlandstern“, ein bei Junggesellen und Älteren im zweiten Frühling sehr beliebtes Übernachtungshotel. Wie man auf dem rechten Bild ersehen kann, haben wir den "Verlockungen" erfolgreich widerstanden. Selbst  in Frankfurt am Main und Umgebung scheint man früher die Vorzüge dieser Lustquelle sehr geschätzt zu haben.

Im Hotel „Lehnert“ wurde übernachtet. Der Inhaber war, wie einige Bilder an den Wänden zeigten, in jüngeren Jahren ein guter Skispringer. In dieser Nacht wurde die Uhr von 03:00 Uhr auf 02:00 Uhr zurückgestellt. Somit konnten wir alle eine Stunde länger schlafen, was alle sichtlich genossen.

Streckenverlauf und Unterkunft

 

 

 

Roland, Hanjo, Wolfgang und Thorsten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gutsschänke Bruchhausen

 

 

 

 

 

 

Hinweisschild am
Richtplatz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der "Lockruf" von Willingen ist nicht der allerbeste.

 

Sonntag, 31. Okt. 2004  Willingen-Hoppern Winterberg

Bei trockenem Wetter, aber bedecktem Himmel, führte uns der Weg steil hinauf zum vom Vortag bekannten Richtplatz. Der Rothaarsteig folgt hier einem alten Grenzweg. Durch schwere Waldfahrzeuge war er stark verdichtet, so dass das Regenwasser nicht mehr abliefTypischer Matschweg auf dem Rothaarsteig. Völlig verschlammt und mit Pfützen übersät, war er für uns nicht begehbar. Seitlich im Gebüsch gab es jedoch bereits schmale ausgetretene Pfade, denen wir jetzt folgten. Total verdreckte Schuhe und Wanderhosen waren bei den häufigen Sprüngen von einer trockenen Stelle zur nächsten nicht zu vermeiden. Schlammspringer in Aktion mit allen Sinnen.
Barfußwanderungen im Schlamm und Schlammpackungen gegen zahlreiche Gebrechen könnten die Attraktion von Willingen und Umgebung zukünftig noch steigern. Wir empfehlen dem Fremdenverkehrsverein, Gummistiefel an Wanderer auszuleihen! Wildschweine hätten sich sicherlich über den Weg gefreut, wir als Wanderer müssen wir hier jedoch mehrere Minuspunkte verteilen. Die anderen Teilstrecken in den folgenden Tagen waren trotz der Jahreszeit gut begehbar. Kleinere verschlammte Stellen sind für uns auch kein Grund uns zu beklagen. Ein großes Lob möchten wir den Gasthäusern „Bräutigam-Hansen“ in Schmalenberg-Schanze und dem Berggasthof „Rhein-Weser-Turm“ in Kirchhunden-Oberhunden erteilen. Hier erwarteten uns am Eingang Schuhputzvorrichtungen mit großen Bürsten. Es ist einfach ein gutes Gefühl für einen Wanderer Gasthäuser oder Hotels einigermaßen sauber zu betreten.

Bald kamen wir an dem 843 m ü. NN höchsten Berg Nordrhein-Westfalens vorbei:  Der Langenberg überragt auch den bekannteren „Kahlen Asten“ bei Winterberg um zwei Meter. Fünf Kilometer weiter hörte der Wald plötzlich auf und wir sNiederfelder Hochheide auf dem Rothaarsteigtanden im Naturschutzgebiet „Neuer Hagen – Niedersfelder Hochheide“, ein grandioser Anblick. Besenheide und Heidelbeeren sowie einzelne Birken und Weiden prägen die Heidelandschaft. Schafe und Ziegen sollen heute in dieser Heidelandschaft den Wald nicht entstehen lassen. Bis 1920 wurde die Hochheide im Herbst von den Bauern regelmäßig geplaggt. Mit breiten Plagghacken plaggten sie die oberste Schicht des Bodens ab. Der Begriff „Plackerei“ kommt daher und wird heute noch verwendet. Die Grassoden wurden in den Ställen als Streu genutzt und anschließend wieder als Dünger auf den Feldern verteilt. Die Fruchtbarkeit der Felder blieb dadurch in einem natürlichen Kreislauf erhalten.

15 Minuten später erreichten wir die Kante eines Steinbruchs am Clemensberg. Von einem Gipfelkreuz aus war durch das düstere Wetter die Fernsicht stark beeinträchtigt. In dem Steinbruch werden heute noch täglich ca. 3.000 t Diabas (Grünstein) und Porphyr gewonnen. Beide Gesteinsarten sind vulkanischen Ursprungs. Diabas eignet sich gut für den Straßenbau und als Unterbau von Bahndämmen. Im östlichen Teil des Heidegebietes passierten wir die Hoppeckequelle und kleine Moore, die Nischen für bedrohte Tier- und Pflanzenarten darstellen.
Blick auf den Ort KüstelbergIn der „Linde“ in Küstelberg schmeckte uns der Grünkohl mit Pinkel zum Mittagessen ausgezeichnet. Außerhalb Küstelbergs kamen wir dann an großen Christbaumkulturen vorbei. In dem Geschäft mit dem Weihnachtsbaum liegen nicht etwa die waldreichen Länder Bayern und Baden-Württemberg vorn, sondern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Das Sauerland ist eine Christbaum Hochburg . Jeder dritte Baum, ca. 6 Millionen Bäume, kommen von dort. In den neuen Bundesländer werden dagegen nur wenige Bäume geschlagen.Ruhrquelle vor Winterberg

Kurz vor Winterberg erreichten wir dann die Quelle der Ruhr. Sie entspringt in 674 m ü. NN und fließt 217 km, bevor sie in Duisburg-Ruhrort in den Rhein mündet. Etwa 5 Millionen Menschen werden durch die Ruhr mit Trinkwasser versorgt.
Gleich am Ortseingang von Winterberg tauchte dann die Gaststätte „Forsthaus“ auf, wo wir für die Nacht angemeldet waren. Nach einem guten Abendessen nutzten einige noch die Gelegenheit, die Sauna des Hauses zu besuchen. Besonders unser Wanderführer genoss sichtlich ausgiebig diese Wohltat.

Streckenverlauf und Unterkunft

 

 

 

 

Nach dem Regenfall waren die Wanderwege total verschlammt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Naturschutzgebiet

Neuer Hagen
Niedersfelder Hochheider

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kühe würdigen uns keinen Blick

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruhrquelle

Montag, 01. Nov. 2004  Winterberg →   Schmallenberg-Schanze  

Winterberg hat 4.500 Einwohner und ist heilklimatischer Kurort. In der Innenstadt von Winterberg haben  viele Häuser ein Schieferdach. Schiefer ist eine Meeresbildung und besteht aus etwa 60 % Quarzsand, 40 % Ton und 0-6 % Kalk. Die Gewinnung des Schiefers erfolgt durch Sprengarbeiten. Die gewonnenen Blöcke werden an Spalttischen in Platten gespalten. Die 5-8 mm starken Platten werden mit einer Gesteinsschere oder einem Dachdeckerhammer bearbeitet, mit drei Löchern versehen und dann mit feuerverzinkten Nägeln oder mit Kupfernägeln auf die Dächer genagelt. Dieses Schieferdach ist absolut dicht und hält mindestens 100 Jahre. Es ist aber teurer als Kunstschiefer aus Eternit.

Der bedeckte Himmel und die grauen Schieferhäuser ergaben eine eigenartige Atmosphäre an diesem Morgen, als wir durch den Ort Richtung Kahler Asten wanderten. Überall Kneipen, Hotels und Textilgeschäfte, Rodelbahnen, Skilifte und eine Bobbahn. Winterberg lebt vom Wintersport. Holländische Fahnen und Informationstafeln in holländischer Sprache lassen die zahlreichen niederländischen Wintersporttouristen den Aufenthalt im Ausland vergessen. Schnee wird hier ab Mitte November erwartet. An der St.-Georg-Schanze ging es vorbei zum Halbstundenkreuz. Hier wehrten im Jahre 1639 die Winterberger Stadtschützen den Angriff der Schweden erfolgreich ab. Zu Fuß benötigt man von hier aus bis zur Stadtmitte ca. eine halbe Stunde. Früher sollen bis hierher die Frauen ihre Männer begleitet Nebel kurz vor dem Kahlen AstenNebelbild von Eugen auf dem Kahlen Astenhaben, wenn diese auszogen, um Handel zu treiben. Jetzt begann der Aufstieg zum Kahlen Asten, dem zweithöchsten Berg Nordrhein-Westfalens, 841 m hoch. Vorbei am Blutstein, einem alten Grenz- und Markstein, (passierte ein zum Tode Verurteilter diese Stelle unbemerkt, konnte das Todesurteil nicht mehr vollstreckt werden, er war wieder frei) marschierten wir auf einem schmalen Pfad zügig nach oben. Nebel zog auf und wurde immer dichter. Heidel- und Preiselbeeren, Birken, Vogelbeeren und Weiden säumten den Weg. Die Kuppe des Berges steht unter Naturschutz. Schilder informieren auf einem Lehrpfad über die Bergheide. Die durchschnittliche Temperatur hier oben beträgt 4,9° C. Kein Baum ist wegen der Winterkälte höher als 8 m. Die höchste gemessene Schneehöhe betrug 2,39 m. Viele Fichten weisen wegen der starken Westwinde „Fahnenwuchs“ auf. Auf dem Gipfel befindet sich eine Wetterstation und ein Aussichtsturm mit Hotel und Restaurant. Heute am Feiertag war geschlossen. Der Nebel verhinderte die Fernsicht auf den Brocken im Harz, die Wasserkuppe auf der Rhön und den Feldberg im Taunus. Hungrig und ohne Pause liefen wir dann zur nahe gelegenen Lennequelle. Kein Wunder, dass hier im Sauerland das Brauereigewerbe floriert, aus mehr als 1000 Quellen kann ein weiches Brauwasser geschöpft werden. Mittagsrast im Gasthof Graberhof in Hoheleye„Warsteiner“ genießt bei Bierkennern einen ausgezeichneten Ruf.
Nach ca. 8 Kilometern machten wir dann im Gasthof „Graberhof“ in Hoheleye (25 Einwohner) Mittagsrast. “Sauerländischer Sauerbraten", ein Gedicht!

An der Wand in der Gaststätte hing auch ein Gedicht von Ernst Moritz Arndt:
        „
Der große Mann geht seiner Zeit voraus -
             Der Kluge geht mit ihr auf allen Wegen -
                  Der Schlaukopf brütet sie gehörig aus -
                      Der Dummkopf stellt sich ihr entgegen
.“

Mir scheint, den idealen Umgang mit der Zeit pflegt der Weitwanderer. Er entwickelt ein Gespür für Entwicklung und Veränderung.

Auf einem alten, zunächst sehr verschlammten, Handelsweg schritten wir wacker weiter voran. Bald kamen wir an einen 1832 errichteten Bildstock. Er wird heute noch als „Heidenstock“ bezeichnet. Um das Jahr 1000 wurden die hiesigen Dörfer durch die Franken christianisiert. Die heidnischen Sachsen flüchteten in unberührte Gegenden, wo sie ihren Göttern weiterhin Opfer brachten. Ihr Tun wurde verraten und am „Heidenstock“ wurden viele ermordet.

20 % der Waldfläche des Sauerlandes besteht aus Rotbuchen und 60 % aus Fichten. An diesem Nachmittag durchquerten wir größere Buchenwälder, die uns ab und zu schöne Ausblicke über die zahlreichen Berge der Region gewährten.
Gegen 16:30 Uhr erreichten wir unser Übernachtungshotel „Bräutigam-Hansen“ in dem kleinen Ort Schanze (52 Einwohner). Am Ortsrand kann man noch Reste alter Verteidigungsschanzen aus dem Mittelalter bestaunen. Beim wiederum hervorragenden Kaffepause auf dem RothaarsteigAbendessen wurde mir endgültig klar, mit der 2-3 kg geplanten Gewichtsabnahme wird es auf dieser Wanderung nichts. Die hiesige Küche ist einfach zu gut. Hinzu kommt, dass die Wandergruppe doch überwiegend aus wackeren Zechern besteht, die einen guten Schluck und die Genüsse einer exquisiten Küche zu schätzen wissen. Garniert wurden die abendlichen Tafelfreuden mit Shakespearezitaten unseres Wanderkollegen Roland:
 To be, or not to be: that is the question! (
Hamlet "Prince of Denmark", Act 3, Scene 1).
Roland,
bitte bleibe Shakespeare-Fan! Die gesellige Runde wird dadurch sehr bereichert.

Streckenverlauf und Unterkunft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kahlen Asten - voll im Nebel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gasthof Graberhof
in Hoheleye

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einkehr im Gasthaus
Bräutigam-Hansen

Dienstag, 02. Nov. 2004

Schmallenberg-Schanze Rhein-Weser-Turm

Zunächst führte der Weg entlang des Schladebachs leicht talabwärts. Wald, Weg und Wiesen waren nass und feucht. Gelegentlich setzte ganz leichter Nieselregen ein. Ein weiteres Relikt der heidnischen Sachsen – der Altarstein – erschien plötzlich auf der rechten Seite hinter dem aufgestauten Bach. Ein hölzerner Steg führte hinüber. Ähnlich wie beim Heidenstock wurde hier im Geheimen auf dem Steinaltar ein Opfer dargebracht. Ausgesucht dafür wurde ein gesundes Fohlen. Die Drude, eine weise Priesterin, versah den Dienst im wallenden Leinengewand.

Weiter ging es abwärts dem Bach entlang. Nach einer Wegkreuzung mit eLatrop - einer der schönsten Orte in Deutschlandiner mächtigen Eiche erreichten wir den kleinen Ort Latrop (200 Einwohner), einer der "schönsten Dörfer der Bundesrepublik Deutschland". Kurz vor einem steilen Aufstieg zum Hauptweg auf den Kamm des Berges testete ich mit Hilfe von Luftballons die Puste meiner Mitwanderer. Erstaunlicherweise brachte Dirk, unser Raucher, seinen Luftballon als Erster zum Platzen. Den zweiten Platz erreichte Wolfgang. Seinen Sieg feierte der Gewinner mit dem Pfauenschrei. Dirk zieht dabei die Luft durch Nase und Mund nach hinten, wobei ein gurgelnder heller Ton entsteht; eine beachtliche Leistung. Wenn der Pfauenschrei Schutzhütte Millionenbank auf dem Rothaarsteigertönt, wissen alle, Dirk ist „gut drauf“. Jetzt aber beim Anstieg zur Millionenbank (Schutzhütte) war kräftige Puste gefragt. Dirk, „der in meiner Gewichtsklasse spielt“, bewies auch hier am Berg Biss. Harald, “zwei Gewichtsklassen tiefer“, war mit seiner trainierten Lunge als Erster oben. Der Name „Millionenbank“ soll 1923 in der Inflationszeit entstanden sein. Eine Buche war gefällt worden und ihr Wert ging in die Millionen. Das Geld war jedoch wertlos und so wurde aus ihrem Holz eine Bank errichtet.

 
Auf der Anhöhe erreichten wir dann nach kurzer Zeit „Jagdhaus“(80 Einwohner). Hier wurde Mittagsrast gemacht. Auf einem schmalen Pfad im Tannenwald entfernten wir uns nachmittags von dem Dorf. Gespenstige Nebelfetzen hingen zwischen den Bäumen und der Nebel wurde mit der Zeit immer dichter. Motorsägenlärm in der Ferne erinnerte an das Holz- und Weihnachtsbaumgeschäft. Zusehends wurde es auch dunkler.Gastraum vom Rhein-Weser-Turm Vorbei ging es an der Sombronquelle und an frisch geschlagenen großen Holzstämmen. Kurz hinter einem Fernsehturm und einer Fahrstraße tauchte dann endlich unser Tagesziel auf, der Rhein-Weser-Turm, heute Restaurant, Wanderherberge und Aussichtsturm.
Der Turm steht genau auf der Wasserscheide zwischen Rhein und Weser und wurde in den Jahren 1931/1932 von einem freiwilligen Arbeitsdienst errichtet. Er verfügt über acht Stockwerke und ist 748 m hoch.

   
Geleitet wird das qualitätsbewusste Haus von einem jüngeren dSpeisekarte vom Rhein-Weser-Turmynamischen Wirtsehepaar. Bei dem umfangreichen kulinarischen Spezialitätenangebot hatten wir die Qual der Wahl vor dem Abendessen. Ich entschied mich für „Turmtaler“. Gebratene Bloodworscht mit Zwiebeln und Bauernkartoffeln – eine regionale Spezialität. Bei Kerzenschein, funkelndem Rotwein und den erlesenen Speisen wurde das Mahl für die Gruppe zu einem Hochgenuss der Sinne. Ein absolutes Traumangebot im Rhein-Weser-Turm ist das 7 Etagen-Gänge-Menü. Auf jeder Etage erhält der Gast einen Gang serviert. So geht es immer weiter nach oben. Oben „on the top“ erhält er dann noch ein Glas Champagner. Den herrlichen Ausblick auf die Sauerlandberge erhält er gratis dazu
.
"
Bei der nächsten Frau wird alles anders! "
Einige Wanderkameraden verrieten in diskreter Runde, wenn sie noch einmal heiraten würden, könnte die Hochzeitsnacht und die Feier im Rhein-Weser-Turm stattfinden.


Kurz vor dem Einschlafen hörten Wolfgang und ich hinter unserer Zimmerwand lautes Geraschel. Offensichtlich haben sich dort Siebenschläfer einquartiert. Nach zehn Minuten kehrte jedoch absolute Ruhe ein und ich erinnere mich gerne an dieses nette Erlebnis.

Streckenverlauf und Unterkunft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Latrop

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Millionenbank - die Talvariante trifft wieder auf den Hauptweg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gastraum vom

Rhein-Weser-Turm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Speisekarte vom
Rhein-Weser-Turm

Mittwoch, 03. Nov. 2004 Rhein-Weser-Turm   Ginsberg 

„Bush Wahlsieger über Kerry in den USA, Queen in Berlin“

 – so lauteten die Nachrichten an diesem Morgen. Bei nebligem Wetter, 10° C TemperaGruppe auf einer Brücke am Schwarzbachtal - am Rothaarsteigtur, verließen wir den Rhein-Weser-Turm und durchquerten zunächst das Naturschutzgebiet Schwarzbachtal.
Der Name „Schwarzbach“ ist aus der Färbung des Bachwassers abgeleitet. Gelöste Huminstoffe und Eisenoxid sind für die rot-schwarze Farbe verantwortlich. Die vielfältige Wiesenlandschaft bietet heute bedrohten Tier- und Pflanzenarten wie Fledermäusen und Torfmoosen Lebensraum. Zum ersten Mal musste heute der Regenschirm zweimal für jeweils  etwa 20 Minuten aufgespannt werden. Nach acht Kilometern erreichten wir den Dreiherrnstein. Hier stießen dieDreiherrnstein am Rothaarsteig Grafschaften Kurköln, Nassau und Wittgenstein zusammen. Der dreieckige Stein zeigt auf der kurkölnischen Seite ein Kreuz, auf der Wittgensteiner Seite ein großes W und auf der nassauischen Seite eine Wolfsangel.
 
An dieser Territorialgrenze gab es über Jahrhunderte blutige Grenzstreitigkeiten. Diebstähle von Holz und Vieh waren häufiger Anlass für Auseinandersetzungen. Im weiteren Verlauf der Strecke wurde immer wieder durch Informationstafeln über ökologische Waldbewirtschaftung, Spechtarten, Waldkalkung und bestimmte Baumarten aufgeklärt. Einmal sahen wir sogar eine Messstelle für Nadelniederschlag. Alle 7-8 Jahre werfen Nadelbäume ihre Nadeln ab. Diese Untersuchungen sind wichtig um Humusschichthöhe des Waldes, Bodenlebewesen und Wassergehalt beurteilen zu können. In Zeiten kranker und sterbender Bäume sind dies sicher wertvolle Untersuchungen.
  
Bereits um 14:30 Uhr erreichten wir dann schon das ÜbernachtungshotGinsburg am Rothaarsteig in der Nähe vom Bahnhof Lützelel „Ginsberger Heide“. Der freie Nachmittag wurde von den Teilnehmern unterschiedlich genutzt. Einige besichtigten die Ginsburg, wo der einäugige Raubritter Hans Hübner lebte. Ob Bauer, Fuhrmann oder reicher Kaufmann, keiner war vor ihm sicher. Erst nach vielen Jahren wurde ihm vom Grafen Christian zu Dillenburg das Handwerk gelegt.

Die Ginsburg soll auch der Ort sein, an dem Grimms Märchen Joringe und Joringel sich zugetragen haben soll:
"Es war einmal ein altes Schloß mitten in einem großen dicken Wald, darinnen wohnte eine alte Frau ganz allein, das war eine Erzzauberin. Am Tage machte sie sich zur Katze oder zur Nachteule, des Abends aber wurde sie wieder ordentlich wie ein Mensch gestaltet ....."
 

Die Ginsberger Heide umfasst heute die Naturschutzgebiete „Hohlsterzenbach“ und „Giller“. Diese relativ naturnahen Wälder und hochmoorartigen Feuchtgebiete sind wie das Schwarzbachtal Rückzugsgebiete für bedrohte Tier- und Pflanzenarten und dienen selten gewordenen Vogelarten als Brutplatz. Das gehobene Ambiente des Hotels übertrug sich auf die Stimmung der Teilnehmer am Abend. Gut gelaunt ließen wir die einzelnen Tagesetappen der Tour noch einmal Revue passieren. Alle waren angenehm zum Wandern (sieht man von der Schlammstrecke Willingen – Winterberg einmal ab). Küche und Unterkünfte waren überdurchschnWafue Wolfgang beim Essenittlich gut.
Rauschen der Blätter,
 der Duft regennassen Laubes,
   Gaumengenüsse,
     Wärme spüren durch das Licht der Sonne,
        den Blick über die Gipfel schweifen lassen.
 
Wir waren mit allen Sinnen auf dem Rothaarsteig unterwegs. Für alle war es ein angenehmes Wandererlebnis und
wir können den Rothaarsteig weiterempfehlen.

Erheblichen Anteil an der schönen Route hatte wieder unser Wanderführer Wolfgang. Meisterlich war wiederum die Auswahl der Hotels, der Tagesstrecken sowie Bahn- und Busverbindungen.

Wolfgang, dafür von allen ein herzliches Dankeschön!

Streckenverlauf und Unterkunft

 

 

 

Die Wanderboys unterwegs auf dem Rothaarsteig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dreiherrnstein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ginsburg
Raubritter Hans Hübner soll hier gelebt haben und im 16 Jh. versammelten sich ein Herr, um Holland von den Spaniern  zu befreien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Wanderführer

Donnerstag, 04. Nov. 2004 Hof Ginsberg  Lützel (Bahnstation)

Bahnfahrt Lützel nach Dillenburg (Stadtbesichtigung)Wilhelmsturm - das Wahrzeichen von DillenburgBahnhof Lützel

 

Kurz nach acht Uhr wanderten wir zum 15 Minuten entfernten Bahnhof Lützel. Von dort fuhren wir über Siegen nach Dillenburg.
 

 

In Dillenburg scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die Schließfächer am Dillenburger Bahnhof funktionieren nur mit DM-Münzen und das im Jahre 3 nach der "€" Einführung. Deshalb mussten wir unsere Rucksäcke in einem Abstellraum der Bahn unterbringen.

Schliessfächer in Dillenburg funktionierten 2004 nach wie vor nur mit DMVor dem Bahnhof erwartete uns Herr Sauer. Er führte uns zwei Stunden und zeigte uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. H. Sauer ist ein exzellenter Kenner der Stadt und informierte uns sehr sachkompetent über Geschichte, Wirtschaft und Kultur.

 Überragt wird Dillenburg von der Ruine eines ehemaligen Schlosses. Der Wilhelmsturm, das heutige Wahrzeichen Dillenburgs, steht auf dem Schlossberg. Unter dem Chorraum der evangelischen Stadtkirche  befinden sich die Gräber des Hauses Nassau-Dillenburg, aus dem das niederländische Königshaus hervorgegangen ist. Eine einzigartige Besucherattraktion sind die Blick von der Fussgängerzone auf den Wilhelmsturm in DillenburgDillenburFachwerkhaus in Dillenburgger Verteidigungsanlagen, die Kasematten.
Pferdezucht hat in Dillenburg eine lange Tradition. Das 1869 eingerichtete hessische Landgestüt unterhält 60 Hengste, um die Pferdezucht in Hessen zu fördern. Alle zwei Jahre finden hier Hengstparaden statt, die über die Grenzen Deutschlands bekannt sind.

Pünktlich erfolgte dann die Rückfahrt  nach Hamburg, Mannheim oder Heidelberg.


Die Herbstwanderung  war wie die Sommertour:
Vom Riesengebirge zum Altvater
hervorragend organisiert und absolut gelungen.  

Streckenverlauf und Unterkunft

 

Links:

Bahnhof Lützel
 

Rechts:

Wilhelmsturm -
Wahrzeichen von Dillenburg

 

 

 

 

 

 

 

Die Bahn bittet um unser Verständnis!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fachwerkhäuser in Dillenburg

Dienstag, 11.08.2009 Lützel (Bahnhof) 560 m Lahnquelle

  

Keine Schutzhütten, aber 10 Wanderwege auf einem Streich

Von Heidelberg kommend haben wir nach 5-maligen Umsteigen mit der Bahn um die Mittagszeit den kleinen Ort Lützel erreicht.

Das Wetter war genau so wie vor 5 Jahren: Es regnete.

Wir wanderten auf einem breiten Forstweg als uns ein älteres Ehepaar entgegenkam: "Haben Sie irgendwo eine Schutzhütte gesehen?"  Sie suchten seit einiger Zeit eine Schutzhütte, um sich vor dem Regen unterzustellen. Wir mussten dies verneinen. Schutzhütten sind Mangelware auf dem Rothaarsteig. Das trifft vor allem auf der Strecke zwischen Lützel und Benfe zu. Das ist deshalb verwunderlich, da doch das Rothaargebirge als Regengebiet bekannt ist. Die vielen Quellen auf dem Rothaarsteig zeugen davon.

Nach 1 1/2 Stunden hatten wir die Ederquelle erreicht. Mit dem Namen verbindet sich für uns der große Ederstausee. Aber unsere Enttäuschung war groß, als wir nur einen Stein sahen, der auf die Quelle hinweist. Von einer Quelle weit und breit keine Spur.
 Erst die 1 Stunde entfernte Siegquelle hat ihren Namen verdient. Wenn auch aus der mit einem Mauerwerk gefassten Quelle kaum Wasser kam - die Quelle hat sich links der Einfassung einen neuen Ausgang geschaffen. Bei Niederkassel mündet nach 140 km die Sieg in den Rhein.

Je näher wir zur Lahnquelle kamen, desto mehr Wanderzeichen zierten die Bäume. 10 Zeichen waren keine Ausnahme.
An diesem Tag trafen wir  weniger Wanderer als Wanderzeichen an einem Baum. Vielleicht lag das auch an dem regnerischen Wetter.

"Nachtleben im Lahnhof findet nur während der Hirschbrunstzeit statt."
Unsere Wirtin vom Lahnhof hatte voll ins Schwarze getroffen. Bis spätestens 19:00 Uhr musste die Bestellung im Restaurant aufgegeben werden, damit die Küche frühzeitig geschlossen werden konnte. Und da bleibt den Gästen nur der Bettzipfel oder eine Nachtwanderung übrig  ......

Der Weiler Lahnhof besteht aus 2 Bauernhöfen und auch 2 Gaststätten mit Übernachtungsmöglichkeiten. Hier kann man mit den Hühnern schlafen gehen.

Gespannt waren wir auf die Lahnquelle. Waren wir doch im Frühjahr ein kleines Stück auf dem Rheinsteig bis nach Lahnstein entlang der Lahn gewandert.

 Zunächst wanderten wir an der Quelle vorbei, denn wir konnten uns nicht vorstellen, dass ein kleiner, grünlich aussehender Tümpel - wir würden Mückenloch sagen - die Quelle der 224 km langen Lahn sein soll. Aber ein Schild klärte uns auf und zeigt auch den Flussverlauf vom Lahnhof bis zur Mündung in Lahnstein.

 

 

Streckenverlauf und Unterkunft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Stein weist auf die Ederquelle hin.
Ein Bach ist von hier aus nicht zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr Wanderzeichen als Wanderer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Lahnquelle bei dem Weiler Lahnhof.

Mittwoch, 12.08.2009

Lahnhof-Nord 610 m   Wasserscheide 429 m

 

Kyrill, "Kleiner Rothaar" und Wasser wie in Lourdes

 

Es hätte so einfach sein können.

Unsere Wirtin hatte uns nicht darauf hingewiesen, und so wanderten wir wieder zurück zum Lahnhof-Nord . Wir umrundeten zwischen Rinderweiden großräumig unser Nachtquartier und kamen etwa 100 m oberhalb des Hotels Lahnhof wieder aus dem Wald heraus.

"Die Strecke vom Lahnhof nach Wasserscheide ist mit der Umrundung der Gaststätte Lahnhof 26 km und ohne nur 25 km".
Recht hatten die Wirtsleute vom Hotel Windeck in Wasserscheide.

"Heute gibt´s keinen Regen!" prophezeite uns die Wirtin am frühen Morgen. Aber wie es so ist mit den Vorhersagen, am Nachmittag regnete es aus Kübeln.
Es begegneten uns auf dieser Etappe sehr viele Wanderer und auch Biker.
Die Möglichkeit, sich das Gepäck von Hotel zu Hotel transportieren zu lassen, wird gerne angenommen. Ein Rothaarsteig-Ranger informierte uns, dass man jährlich mit 35.000 Mehrtageswanderern auf dem Rothaarsteig rechnet (Stand 2008)
.

Am Heiligenborn-Friedhof beginnt ein "märchenhafter" Waldpfad, der sich speziell an die "Kleinen" wendet.
Ein kleiner rothaariger Kobold mit grünem Hut, er nennt sich Kleiner Rothaar, erzählt auf Schautafeln von sich und seinen Freunden, den Bäumen, Pflanzen und Tieren des Waldes. 
Er animiert die Kinder zum Aktivwerden.
Die Konzeption fanden wir alle sehr gut! Wir hatten Glück und entdeckten den "Kleinen Rothaar" auf einer Lichtung nahe der Ilsequelle.

"Seit 7 Jahren trinke ich aus der Ilsequelle und bin noch keinen Tag älter geworden."  Ein Biker gab uns diesen Hinweis und auch den Rat, ebenfalls das Wasser einmal zu probieren.

Die Ilsequelle zählte im Mittelalter zu den stark besuchten Heilquellen. Graf Ludwig von Wittgenstein ließ für die Heilungssuchenden Bäder und an die 40 Hütten bauen. Für die Gebiete rund um die Quelle waren die "Almosen" der Besucher eine gute Einkommensquelle.
Das Wasser der Ilsequelle wird auf eine Stufe mit der von Lourdes gestellt.
Nach dem 30- jährigen Krieg geriet die Quelle in Vergessenheit.

Unser Wanderführer hatte Recht.
Nach einer gut 2 1/2stündigen Wanderung wurde es Zeit, eine Pause zu machen.
Schon seit langer Zeit wird die Kaffeebuche als Rastplatz benutzt. Die Buche spendete Schatten und die damals noch vorhandene Quelle lieferte das Wasser zum Kochen des Kaffees. Dadurch hatte die Buche ihren Namen erhalten.
Vor allem sonntags wurde hier gerne gerastet, hatten die Bewohner vom Weiler Sohl auf ihrem Gang  zur und von der Kirche in Irmgarteichen hier die Hälfte des Weges hinter sich gebracht.

Die Forstbesitzer werden es nicht gerne hören, aber dank dem Orkan Kyrill am 18./19. Januar 2007 hatten wir sehr oft freie Sicht in die Täler des Rothaargebirges.
Vor allem an der 551 m hohen Tiefenrother Höhe hat man eine gute Fernsicht auf das Lahn-Dill-Bergland mit den kleinen Ortschaften. Man erkennt nördlich auch den Ausgang des Rudersdorfer Tunnels, der mit 2.683 m der längsten Eisenbahntunnels von Nordrhein Westfalen ist. Dieser Tunnel liegt 176 m unter uns und verbindet Siegen mit Dillenburg und Frankfurt am Main. Gebaut wurde der Tunnel zum Teil mit Kriegsgefangenen im I. Weltkrieg. Fertigstellung erfolgte 1915. An der Tiefenrother Höhe sind Hinweisschilder angebracht, die den Bau des Bahntunnels erklären.

Vor einigen Jahren wurde an der Tiefenrother Höhe  eine Aussichtsplattform gebaut mit den für den Rothaarsteig typischen Liegesitzen.

An der "Kalteiche" 520 m - 134,5 km nach unserem Beginn in Brilon -  teilt sich der Rothaarsteig in eine Dillvariante und in eine Westerwaldvariante. Beide Varianten haben als Endziel Dillenburg und verwenden auch das gleiche Wanderzeichen. Wir hatten uns für die Westerwaldvariante entschieden, die rund 32 km länger  ist.
An der Abzweigung steht der Rothaarsteig-Grenzstein mit der Zahl 0. Zunächst hatte wir  noch ein paar Hundert Meter freie Sicht auf den Ort Wilnsdorf, aber wir mussten den Schotterweg verlassen und nur noch durch Wald bis nach Wasserscheide, einem Ortsteil von Würgendorf wandern. Mit jedem Schritt, den wir uns unserem Tagesziel näherten,  nahm auch der der Lärm von der Sauerlandautobahn A45 zu.
Da es anfing heftig zu regnen, waren wir doch froh, als wir gegen 18:00 Uhr unser heutiges Nachtquartier erreichten.

Streckenverlauf und Unterkunft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleiner Rothaar
erzählt von seinen Freunden, den Pflanzen, Bäumen und Tieren.

Er hat auch eine eigene Website:
www.der-kleine-rothaar.de

 

 

 

 

Ilsequelle

Klaus probiert aus den bereitgestellten Gläsern das Quellwasser.

 

 

 

 

 

 

 

Rastplatz Kaffeebuche

Von der alten Buche ist nur noch ein Baumstumpf zu sehen

 

 

 

 

 

 

 

Blick von der Aussichtsplattform der Tiefenrother Höhe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An der Kalteiche

Trennung des Rothaarsteiges in eine Dillvariante und in eine Westerwaldvariante

Donnerstag, 13.08.2009

Würgendorf OT. Wasserscheide 429 m Fuchskaute 657 m

 

Im Land der Windräder und Dörfer ohne Kneipen

Im Westerwald erwartete uns eine ganz andere Landschaft: Offene Weideflächen mit kleinen Hügeln und nur wenig Waldflächen prägen die Landschaft. Ackerbau war nirgends festzustellen, dazu ist es sicherlich hier zu kalt. Selbst auf den Weideflächen waren Rinder und Pferde nur selten anzutreffen.

Heute mussten wir mehrere kleine Dörfer durchwandern.

"Nehmt Euch nicht zu viel zum Trinken und Essen mit", war der Rat unseres Wanderführers Wolfgang.
Wir hätten nicht auf ihn hören sollen!
In keinem Dorf  fanden wir ein Lebensmittelgeschäft, von einer Gaststätte ganz zu schweigen. "Das findet Ihr alles drüben in Hessen" hat uns die Briefträgerin mit einer Handbewegung in Richtung Süden mitgeteilt. Aber nach Hessen wollten wir erst am nächsten Tag wandern.

Nach 1 1/2 Stunden erreichten wir den ersten Höhepunkt, die Naturwaldzelle "Großer Stein". Ursprünglich waren es große Basaltblöcke aus einem Vulkanausbruch vor 20 Mio. Jahren.
Sie verwitterten mit der Zeit und heute sehen die Basaltsteine wie eine Schutthalde  aus. Die Felsblöcke sind mit Flechten und Moosen besiedelt.
Das Ganze erinnerte uns an das Felsenmeer im Odenwald, nur sind dort die Basaltblöcke nicht so stark zerbröselt  Die  Römer konnten sie deshalb  als Baumaterial verwenden. Auch um den "Großen Stein" gibt es die Sage mit den Riesen, die sich mit den Basaltblöcken kegelten. Eine ähnliche Sage besteht über das Felsenmeer.

Bald sollten wir ein weiteres Naturdenkmal bei dem Ort Liebenscheid-Weißenberg erreichen, den "Ketzerstein". Es handelt sich um einen erkalteten Lavastrom, der eventuell von den Germanen als Opferstein genutzt wurde. Auf einer Hinweistafel stand, dass das Gestein sehr eisenhaltig sei und daher eine Kompassnadel beeinflusst würde. Da wir einen Kompass auf Basis von GPS bei uns hatten, konnten wir das leider nicht nachprüfen.
Informiert wurden wir auf Schautafeln auch darüber, dass das Wort Ketzerstein sich von dem Wort "Katze" herleitet. Damit wurde im Mittelalter ein Grenzübergang bezeichnet. Wer hätte das gedacht?

Kaum hatten wir den Ketzerstein passiert, sahen wir auch schon die für den Hohen Westerwald inzwischen so typischen Windkraftanlagen.
Betreiber ist die Firma Fuhrländer AG, die auch die Gastwirtschaft Fuchskaute führt.
Das Unternehmen ist international sehr erfolgreich und liefert Windparks in 30 Länder. Exportanteil 80 %. Konzentriert hat sich das Unternehmen auf den Bau von Windparks für windschwache Regionen. Hierzu werden 160 m hohe Windanlagen in dem neuen Werk am Siegerland-Flughafen produziert.

 

Das Unternehmen hat die Prospekte für den großzügigen Ausbau des Hotels Fuchskaute bereits gedruckt. Nur steht das Gebiet (noch) unter Naturschutz und man darf gespannt sein, ob das Projekt verwirklicht werden kann.

Aber auch jetzt schon kann sich das Konzept für die Gaststätte sehen lassen.
In der "Fuchskauten-Scheune" wird ein Buffet angeboten, das an jedem Abend unter einem anderen Motto steht.

Ferner finden in dieser Scheune: Konzerte, Vorlesungen, Theateraufführungen. Gottesdienste und Im August immer die Hauptversammlungen der Fuhrländer AG statt. Kein Wunder, dass am Abend die Parkplätze rund um die Fuchskaute sehr gut belegt waren.

 

Streckenverlauf und Unterkunft

 

 

 

 

Neugierig werden wir beobachtet

Pferde und Rinder auf einer Weide findet man wenig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Naturwaldzelle
"Großer Stein" 
bei Holzhausen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ketzerstein

in der Nähe der Fuchskaute

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Windkraftanlagen
im Hohen Westerwald

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fuchskauten-Scheune

Freitag, 14.08.2009 Fuchskaute 657 m Haiger-Bahnhof

Sektfrühstück, "Wilde Weiber" und ein betuchter Spender

 

Wir sind schon weit gewandert....
Ein so reichhaltiges Frühstücksbuffet und dazu noch Säfte und Sekt wie in dem Hotel Fuchskaute, hatten wir auf unseren Wanderungen noch nie.

Wie am gestrigen Tag wanderten wir im Hohen Weserbergland durch eine Hügellandschaft mit vielen Wiesen und wenigen Waldflächen.
Zunächst ist der Rothaarsteig mit dem  Westerwaldsteig für einige Meter identisch.
Kurz vor dem Dreiländereck Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz biegt der Rothaarsteig südlich zum Ort Rabenscheid ab. Auf diesem Abschnitt trafen wir auch auf den einzigen Wanderer der Westerwaldvariante des Rothaarsteigs.

Auf einem Hinweisschild am Ortsrand von Rabenscheid wurden  wir informiert, dass Scheid eine gerodete Fläche innerhalb eines Waldgebiets bedeutet und das Wort Raben im Mittelalter auf die sehr verbreiteten Kolkraben hinweist. Die Kolkraben waren in der Sagenwelt der Germanen die "klugen Vögel" Wotans. Rabenscheid ist somit das "Dorf im Wald der  Wotansvögel".

Irgendwo hatten wir innerhalb des Orts eine Abzweigung des Rothaarsteiges verpasst. Wir kamen zwar an der sehenswerten Wehrkirche des Ortes vorbei (war leider geschlossen) . Aber im Ortszentrum war das Wanderzeichen nicht aufzufinden. Erst ein Gemeindearbeiter zeigte uns, wie wir wieder auf den richtigen Weg gelangen können.
Nachdem wir eine schmale Brücke passiert hatten, ging der Rothaarsteig dem schmalen Aubach entlang bis kurz vor den Ort Langenaubach.
Dort lebten einst in einer Höhle des Wildweiberhäuschens die "Wilden Weiber", die allen guten Menschen halfen.
Dass sie auch anders sein konnten, hatte ein Bauer leidvoll erfahren müssen, der ihnen ein Hemd stahl. Sie zerrten den armen Dieb an den Haaren und machten einen derartigen Lärm, dass sein Haus einstürzte. Heute sind diese guten Geister - man vermutet wegen dem Lärm der Steinbrüche - nicht mehr anzutreffen. Zu den Wochenenden ist an dem Rastplatz "Wildweiberhäuschen" eine  Hütte bewirtschaftet.

Die Gemeinde Langenaubach hatte wohl zu viel Geld in der Gemeindekasse, denn nach den Wildweiberhäuschen ist der Wanderweg mit groben Splitt aufgefüllt. Kein Wunder, dass die Wanderer links und rechts des Splittweges einen neuen Wanderweg "getrampelt" haben.

9,2 km vor Dillenburg mussten wir den Rothaarsteig verlassen. Wir wollten unbedingt am Nachmittag einen Zug nach Heidelberg erreichen und für ein Weitergehen bis Dillenburg wäre uns die Zeit zu knapp geworden.

Das war der Grund, warum wir den Rothaarsteig verließen und auf dem Zubringerweg nach Haiger wanderten.

Ein gut "betuchter" Urlauber - ein Tuchhändler namens Eduard Schumacher - schenkte der Stadt Haiger eine größere Geldsumme für den Bau eines Aussichtsturmes auf seinem "Lieblingsplatz".
Das geschah Ende des 19. Jahrhunderts und zum Dank an den edlen Spender nennt man ihn Eduardsturm. Von der Turmspitze hat man einen Panoramablick auf Haiger.

In Haiger sahen wir in einer Zeitung die Schlagzeile:

"Ein Wandervergnügen

Schönster Laufweg Deutschlands 2009: der  Saar-Hunsrück-Steig".

Unser Wanderführer hat diesen neuen Wanderweg schon als eins unserer nächsten Ziele ins Auge gefasst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die dicken Mauern zeigen, dass es sich in Rabenscheid um eine  Wehrkirche handelt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eduardsturm

Aussichtsturm oberhalb von Haiger

Hinweis:

Der Wanderverlauf auf dem Rothaarsteig ist zu ersehen unter:

http://www.rothaarsteig.de/index.php?id=37 (Kartenausschnitte sind zoombar)

 

Seitenanfang