Situation der Sinti und Roma in Mittel- und Osteuropa

 

Die Mehrheit der ca. 8 Millionen Sinti und Roma lebt im östlichen Mittel- und Südosteuropa, z.B. in Tschechien und der Slowakei (500.000). Die Entwicklungsabteilung der UNO (UNDP) untersuchte im Jahr 2004 die Lage der Roma. Die Ergebnisse überraschen nicht.

Etwa jeder zweite Roma ist arbeitslos, viele bereits seit Jahren, haben deshalb den Anspruch auf Arbeitslosengeld verloren und erhalten nur noch eine geringe Sozialhilfe. In der Slowakei beträgt die Arbeitslosigkeit nach der Wende in manchen Regionen bis zu 90 %. Laut der ZDF-Sendung „Frontal“ vom 04.10.05 erhält eine vierköpfige Familie in der Slowakei monatlich 100 € Sozialhilfe. Armut ist daher weit verbreitet und treibt viele in Kriminalität, Drogenhandel und Prostitution. Der Gesundheitszustand der Roma ist überdurchschnittlich schlecht, bedingt auch durch die mangelhaften sanitären Einrichtungen in den Siedlungen. Auch das Bildungsniveau ist erschreckend niedrig. Viele Romakinder lernen im Vorschulalter nur rudimentär slowakisch oder tschechisch. Diese mangelnde Sprachfähigkeit, die Mitarbeit der Kinder beim Broterwerb der Erwachsenen und die große Armut führen oft zum Schulabbruch bereits in der Grundschule. Hier wird ausschließlich slowakisch oder tschechisch geschrieben und gesprochen. Die Muttersprache der Sinti und Roma hat hier keinerlei Bedeutung. Auch die demographische Struktur der Roma weicht von der der Tschechen und Slowaken deutlich ab. Romafamilien haben viel mehr Kinder, durchschnittlich drei bis vier. In einigen Romasiedlungen der Slowakei liegt der Durchschnitt sogar bei fast acht Kindern pro Familie. Vor allem das frühe Heiratsalter und das Fehlen von Verhütungspraktiken sind wesentliche Ursachen. Die Kluft zwischen den Angehörigen der Roma und der Mehrheitsbevölkerung der Tschechen und Slowaken wird ständig größer. Auch Spannungen zwischen den Beteiligten sind nicht selten. Es wurde sogar schon gefordert Mauern um die Romasiedlungen zu bauen, z.B. in Tschechien in Ústí nad Labem (Aussig) (1989) und in der Slowakei in Prešov (Eperies).

Die Situation der Roma bietet viel sozialen Sprengstoff. Die slowakische und tschechische Regierung müssen mehr tun, um die hohe Abhängigkeit der Roma vom Staat zu verringern. Intensive Sprachkurse bei den Romakindern im Vorschulalter, spezielle Förderkurse in der Grundschule, Ausbildungsoffensiven bei Jugendlichen sowie verstärkte Aufklärung über Sexualität und Verhütung wären Maßnahmen, um langfristig bessere Lebensbedingungen für diese Volksgruppe zu schaffen. Auch die Roma selbst müssen ihren Beitrag leisten und die angebotenen Hilfen durch die Regierungen und evtl. die EU annehmen.